Wie ist das mit dem Hafer?
Der
alte Stallmeister wusste schon, dass dieses altbewährte
Kraftfutter viele gute Eigenschaften hat. Auch wenn er
gelegentlich den ein oder anderen Temperamentsausbruch
mit sich bringt. Die Angst vor hitzigen Pferden hat das
Getreide allerdings etwas in Verruf gebracht.
Stellt man Hafer, Gerste und Mais gegenüber, zeigen
sich die Vorteile für Pferde nicht nur am Nährwert.
Hafer hat einen hohen Spelzenanteil und eine gute
Kaugröße und -festigkeit: Er wird deshalb, auch
ungequetscht, sehr viel besser als Gerste oder Mais von
den Pferdezähnen zermahlen und eingespeichelt.
Unterschiede im Nährwert zu Gerste und Mais zeigen,
dass Hafer zwar energieärmer, jedoch reicher an
ungesättigten Fettsäuren und Schleimstoffen ist. Ähnlich
dem Leinsamen wirken sich diese Eigenschaften sehr
positiv auf einige Stoffwechselfunktionen aus.
Quetschen?
Hafer kann und sollte unzerkleinert verfüttert werden,
sofern die Zähne der Tiere intakt sind. Ratsam ist ein
Quetschen dann, wenn man noch sehr junge Pferde in der
Gebissentwicklung oder auch sehr alte Pferde mit
Gebissschwierigkeiten füttert. Wenn gelegentlich im Mist
einige wenige Haferkörner zu sehen sind, kann eine
Zahnbehandlung oder –überprüfung notwendig sein.
Sticht der Hafer?
Was Pferdeleute immer wieder beobachten, konnte
wissenschaftlich bislang nicht belegt werden. Die noch
offene Frage der Ursache lässt hinreichend Raum für
umfassende Forschungen und Spekulationen.
Wie viel Hafer ist gesund?
Es sollten nicht mehr als 0,5 kg Hafer pro 100 kg
Körpergewicht und Mahlzeit verfüttert werden. Höhere
Mengen steigern das Kolikrisiko!
Defizite des Hafers.
Natürlich ist Hafer auch nicht perfekt. Besonders
beachtenswert ist das kleine Calcium-Phosphor-Verhältnis
(wenig Calcium!) und der Mangel an den fettlöslichen
Vitaminen A und D.
Eine einseitige Haferfütterung (zu Rauhfutter) ohne
Ausgleich durch ein geeignetes Mineralfutter führt
deshalb zu Stoffwechselstörungen und sollte vermieden
werden.
Beim Einkauf muss genau hinsehen werden und sich mit
den einschlägigen Beurteilungskriterien, aber auch mit
den Prinzipien einer korrekten Lagerhaltung vertraut
machen, denn das Ablagern nach der Ernte ist besonders
wichtig. Erntefrischer Hafer sollte mindestens 2 Monate
bei guter Belüftung gelagert werden, bevor er an die
Pferde verfüttert wird.
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