...mal übern Zaun schauen,
was Nachbars machen...
Das Pferd ist heiß, Wiesen, Wald und Weg interessieren
nicht, das Hoppi ist erst mit sich zufrieden, wenn der Wind so richtig um die
Nase pfeift und 20 Kilometer hinter dem Reiter liegen.
...Was nun? – Fragt sich der Reiter....in diesem Falle meine
Tochter Karo.
Mal was Anderes probieren. Distanzreiten.
Zuerst sind wir mit Masoudah, Vollblutaraberstute, zur
„Schnellbesohlung“ nach Grumbach bei Dresden zum „Einführungsseminar für
Distanzreiter“ gefahren.
Bange Frage: Sind wir hier richtig?
Wir Menschen sperrten Augen und Ohren auf, um möglichst viel
Neues zu erfahren.
Das Pferdchen war natürlich mit Feuereifer dabei, wo bekommt
man schon mal Rennbahntraining und Geländearbeit am Hang geboten.
Und alle sehen es gelassen, wenn das Pferd voll aufgedreht
mit Pulsschlag 184 auf seinen Einsatz zum Rennen wartet, der aber eigentlich
erst ab Puls 62 losgeht ... „Das wird schon, wir schauen mal, reit mal zwei,
drei Runden zum Angewöhnen...“ - Drei Runden waren 3000 Meter.
Alles wird gut.
Und dann die Generalprobe:
Karo füllt das Nennungsformular für die „Bötzow-Distanz“
aus.
Erste Bedenken plagen mich als Mutter: Gute zwei Stunden
Fahrt bis nach Bötzow und WIESO bitteschön muss man sich als Einsteiger gleich
bei den Landesmeisterschaften von Berlin-Brandenburg blamieren???
Egal, wir fahren am ersten Juniwochenende Richtung Berlin.
Im vollgepackten Auto mit Hänger und Pferd wird mir der
Umfang einer Materialschlacht für ca. 4 Stunden Reiten erst richtig klar. Ich
beginne bereits auf der Hinfahrt mit meinem Leben als „Trosser“ zu hadern...
Wir sind am Treffpunkt und werden von einer perfekten
Organisation „aufgesaugt“.
Vorbesprechung, Ausgabe der Karten, wo sind Start und Ziel,
... die 120-km-Trosser fragen GANZ genau nach, an welchen Stellen man den
Pferden Wasser reichen kann....
Am nächsten Morgen: Startuntersuchung beim Tierarzt fürs
Pferd ab 6.00 Uhr. Als um 5.15 Uhr der Wecker meiner Tochter im Zelt zu brüllen
beginnt, weiß ich wieder: Motivation für die junge Generation ist alles! Die
alte Generation schleppt sich mehr aus dem Zelt...
Und dann ist sie unterwegs auf 42 km.
Vom Ritt erfahre ich nur: 2 mal verritten, eine
Tierarztkontrolle unterwegs im Wald in die man mit der Gruppe hineingaloppiert
ist (Profis stöhnen: Der Puls!), eine Pause – natürlich mit TA Kontrolle – ist
im Ritt nach 28 km vorgesehen – da ist mein Einsatz als Trosser gefordert:
Wasser für Pferd und Kind wird in dieser Reihenfolge gereicht, Hufschuhe
kontrollieren, wieder zum TA...
Als wir gegen Abend zur Siegerehrung schlendern (das
gelassene Pferd am Halfter) kommen wir auf 5 TA-Kontrollen an diesem Tag fürs
Pferd.
Alle Teilnehmer, die in der Wertung ihren Ritt beendet
haben, bekommen Schleifen, Ehrenpreise, Futter fürs Pferd. „In der Wertung“
heißt: Ritt mit einem gesunden, reittauglichen Pferd beendet. Für einige Reiter
kommt das „AUS“ an den TA-Kontrollen, andere geben auf, zum Wohle des
Pferdes...
Das Wohl von Masoudahs Reiterin stabilisiert sich erst nach
zwei Tagen: Treppensteigen und Schulsport bereiten Qual...
...Und wegen dieser zwei Tage schreib ich’s nun doch:
20 Teilnehmer sind auf dem 42 km Ritt gestartet, 16 haben in
der Wertung den Ritt beendet, Karo hat den 13. Platz belegt und Masoudah kam
mit einem “A“ für Kreislauf, Gesamteindruck, Sattellage und Bewegungsapparat
aus der Nachuntersuchung – dem bestmöglichen Ergebnis.
Und endlich habe auch ich es kapiert: Hohen Puls kann jedes
Pferd haben: Durch Aufregung oder bei Beanspruchung. Aber bei einem trainierten
Pferd beruhigt sich der Puls nach der Anstrengung schneller als bei dem
untrainierten oder überforderten Pferd.
Katrin Wieczorek
|