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Tourenberichte

05 / 06.06.2010
Distanzritt Bötzow

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Text & Fotos
  von Katrin Wieczorek

  Fotoalbum

     



 

...mal übern Zaun schauen, was Nachbars machen...

Das Pferd ist heiß, Wiesen, Wald und Weg interessieren nicht, das Hoppi ist erst mit sich zufrieden, wenn der Wind so richtig um die Nase pfeift und 20 Kilometer hinter dem Reiter liegen.

...Was nun? – Fragt sich der Reiter....in diesem Falle meine Tochter Karo.

Mal was Anderes probieren. Distanzreiten.

Zuerst sind wir mit Masoudah, Vollblutaraberstute, zur „Schnellbesohlung“ nach Grumbach bei Dresden zum „Einführungsseminar für Distanzreiter“ gefahren.

Bange Frage: Sind wir hier richtig?

Wir Menschen sperrten Augen und Ohren auf, um möglichst viel Neues zu erfahren.

Das Pferdchen war natürlich mit Feuereifer dabei, wo bekommt man schon mal Rennbahntraining und Geländearbeit am Hang geboten.

Und alle sehen es gelassen, wenn das Pferd voll aufgedreht mit Pulsschlag 184 auf seinen Einsatz zum Rennen wartet, der aber eigentlich erst ab Puls 62 losgeht ... „Das wird schon, wir schauen mal, reit mal zwei, drei Runden zum Angewöhnen...“ - Drei Runden waren 3000 Meter.

Alles wird gut.

Und dann die Generalprobe:

Karo füllt das Nennungsformular für die „Bötzow-Distanz“ aus.

Erste Bedenken plagen mich als Mutter: Gute zwei Stunden Fahrt bis nach Bötzow und WIESO bitteschön muss man sich als Einsteiger gleich bei den Landesmeisterschaften von Berlin-Brandenburg blamieren???

Egal, wir fahren am ersten Juniwochenende Richtung Berlin.

Im vollgepackten Auto mit Hänger und Pferd wird mir der Umfang einer Materialschlacht für ca. 4 Stunden Reiten erst richtig klar. Ich beginne bereits auf der Hinfahrt mit meinem Leben als „Trosser“ zu hadern...

Wir sind am Treffpunkt und werden von einer perfekten Organisation „aufgesaugt“.

Vorbesprechung, Ausgabe der Karten, wo sind Start und Ziel, ... die 120-km-Trosser fragen GANZ genau nach, an welchen Stellen man den Pferden Wasser reichen kann....

Am nächsten Morgen: Startuntersuchung beim Tierarzt fürs Pferd ab 6.00 Uhr. Als um 5.15 Uhr der Wecker meiner Tochter im Zelt zu brüllen beginnt, weiß ich wieder: Motivation für die junge Generation ist alles! Die alte Generation schleppt sich mehr aus dem Zelt...

Und dann ist sie unterwegs auf 42 km.

Vom Ritt erfahre ich nur: 2 mal verritten, eine Tierarztkontrolle unterwegs im Wald in die man mit der Gruppe hineingaloppiert ist (Profis stöhnen: Der Puls!), eine Pause – natürlich mit TA Kontrolle – ist im Ritt nach 28 km vorgesehen – da ist mein Einsatz als Trosser gefordert: Wasser für Pferd und Kind wird in dieser Reihenfolge gereicht, Hufschuhe kontrollieren, wieder zum TA...

Als wir gegen Abend zur Siegerehrung schlendern (das gelassene Pferd am Halfter) kommen wir auf 5 TA-Kontrollen an diesem Tag fürs Pferd.

Alle Teilnehmer, die in der Wertung ihren Ritt beendet haben, bekommen Schleifen, Ehrenpreise, Futter fürs Pferd. „In der Wertung“ heißt: Ritt mit einem gesunden, reittauglichen Pferd beendet. Für einige Reiter kommt das „AUS“ an den TA-Kontrollen, andere geben auf, zum Wohle des Pferdes...


Das Wohl von Masoudahs Reiterin stabilisiert sich erst nach zwei Tagen: Treppensteigen und Schulsport bereiten Qual...

 
...Und wegen dieser zwei Tage schreib ich’s nun doch:

20 Teilnehmer sind auf dem 42 km Ritt gestartet, 16 haben in der Wertung den Ritt beendet, Karo hat den 13. Platz belegt und Masoudah kam mit einem “A“ für Kreislauf, Gesamteindruck, Sattellage und Bewegungsapparat aus der Nachuntersuchung – dem bestmöglichen Ergebnis.

 
Und endlich habe auch ich es kapiert: Hohen Puls kann jedes Pferd haben: Durch Aufregung oder bei Beanspruchung. Aber bei einem trainierten Pferd beruhigt sich der Puls nach der Anstrengung schneller als bei dem untrainierten oder überforderten Pferd.


Katrin Wieczorek